Mit dem Herbst beginnt die Heizsaison, und mit ihr kommt eine alte Frage wieder auf: Ist Heizen mit Holzpellets klimafreundlich? Im Gebäudeenergiegesetz zählt Biomasse als erneuerbare Energie, eine Pelletheizung erfüllt dort die Vorgabe von 65 Prozent Erneuerbaren. In der Forschung ist das Bild weniger eindeutig. Die Antwort hängt weniger am Ofen als an der Frage, woher das Holz stammt und was sonst mit ihm passiert wäre.
Klimaneutral nur auf dem Papier?
Beim Verbrennen setzt Holz ungefähr so viel Kohlendioxid frei, wie der Baum beim Wachsen gebunden hat. Daraus leitet sich die übliche Bezeichnung „klimaneutral“ ab. Der Haken ist die Zeit: Das CO2 gelangt sofort in die Atmosphäre, ein nachwachsender Baum braucht Jahrzehnte, um es wieder aufzunehmen. Die Klimaforschung spricht von einer Kohlenstoffschuld. Wie groß sie ausfällt, entscheidet der Rohstoff. Stammt er aus Resten, die ohnehin verrotten würden, ist die Schuld klein. Genau darauf setzen auch Betriebe, die ihr eigenes Restholz verwerten und sich dafür einen Vergleich von Pelletpressen ansehen: Das Holz fällt ohnehin an, der Transport entfällt.

Reste oder Stammholz: der entscheidende Unterschied
Nach Angaben der Branche entstehen Holzpellets in Deutschland zum weit überwiegenden Teil aus Sägespänen und anderen Resten der Sägeindustrie. Diese Reste würden sonst verbrannt, zu Platten verarbeitet oder zersetzt. Anders sieht es aus, wenn eigens Bäume für die Energieerzeugung gefällt werden. Dann fehlt dem Wald über Jahrzehnte gespeicherter Kohlenstoff, und die Rechnung kippt. Studien zu Pelletimporten aus Übersee kommen deshalb zu deutlich schlechteren Ergebnissen als Untersuchungen zu regionalen Sägeresten.
Für die Bilanz zählen außerdem die Wege. Pellets, die im Umkreis weniger hundert Kilometer entstehen, schneiden besser ab als Ware, die per Schiff über den Atlantik kommt. Auch die Trocknung der Späne braucht Energie. In modernen Werken stammt sie oft aus der Verbrennung von Rinde und Holzresten am Standort.
Feinstaub bleibt ein Thema
Neben dem Klima geht es um die Luft. Das Umweltbundesamt weist seit Jahren darauf hin, dass kleine Holzfeuerungen zu den großen Quellen für Feinstaub in Deutschland gehören. Pelletkessel schneiden dabei deutlich besser ab als offene Kamine oder alte Kaminöfen, weil sie Brennstoff und Luft automatisch dosieren und gleichmäßig verbrennen. Ganz ohne Emissionen arbeiten aber auch sie nicht. In dicht bebauten Gebieten mit hoher Belastung ist das ein Argument gegen jede Form der Holzverbrennung.
Was aus Sicht der Forschung gilt
- Herkunft vor Technik: Pellets aus regionalen Sägeresten haben eine deutlich bessere Bilanz als Pellets aus eigens gefälltem Holz.
- Holz ist begrenzt: Der Wald kann nicht jede Heizung versorgen. Viele Fachleute sehen Holz deshalb eher als Ergänzung, etwa in Gebäuden, in denen eine Wärmepumpe schwer umzusetzen ist.
- Effizienz zählt: Ein gut gedämmtes Haus braucht weniger Brennstoff, unabhängig vom Heizsystem.
- Zertifikate helfen: Qualitäts- und Nachhaltigkeitssiegel machen Herkunft und Brennstoffqualität nachvollziehbar.
Die ehrliche Antwort lautet also: Heizen mit Pellets kann eine gute Klimabilanz haben, ist aber nicht automatisch klimaneutral. Wer wissen will, wie gut die eigene Heizung abschneidet, sollte zuerst nach der Herkunft des Brennstoffs fragen.